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In drei Jahren soll es soweit sein. Dann will die inhouse
engineering GmbH das erste Brennstoffzellensystem
für den Hausbetrieb auf den Markt bringen.
Gut zehn Jahre oder rund gerechnet etwa 40.000 Stunden: Solange
sollte das Energieversorgungssystem seinen Dienst tun.
Christoph Hildebrandt, Geschäftsführer der inhouse engineering
GmbH, ist optimistisch. Alle Testreihen verliefen erfreulich. Noch
in diesem Jahr startet ein weiterer Feldtest. Zwölf der Brennstoffzellensysteme
vom Typ inhouse5000 gehen in Anlagen unterschiedlicher
Anwender aus der freien Wirtschaft in Betrieb.
Sie versorgen Die jeweiligen Bauobjekte für die Dauer von zwei
Jahren mit Energie, während die inhouse engineering GmbH und
ihre Partner die Wartung übernehmen und die Anlagen auf qualitativ
gleich bleibende Funktionalität überprüfen.
Im Idealfall erzeugt die Brennstoffzelle Energie aus reinem Wasserstoff,
hocheffizient und völlig emissionsfrei. Deswegen gilt
sie als Hoffnungsträger für die zukünftige Energieversorgung.
Leider ist die breite Versorgung mit Wasserstoff auch in absehbarer
Zeit nicht gesichert. Obwohl das System also lange nicht
so energieeffizient und ökologisch wie möglich arbeitet, sind seine
Vorteile dennoch offensichtlich. Die inhouse Systeme haben
mittlerweile fast 15 Jahre Entwicklung hinter sich. Inhouse5000,
Prototyp künftiger Serien, erbringt fünf Kilowatt an elektrischer
Leistung, die thermische liegt bei zehn Kilowatt. Das System
deckt im netzgekoppelten Betrieb den Grund- und Mittellastbedarf
eines durchschnittlichen Mehrfamilienhauses oder kleinerer
Gewerbebetriebe. Bis reiner Wasserstoff flächendeckend angeboten
wird, arbeitet im Gerät ein Reformer, der den Wasserstoff
aus Brenngasen wie Erdgas oder Biogas generiert. Hergestellt
wird der Reformer bei einem Partnerunternehmen der inhouse
engineering in Riesa. Dort entstehen auch unterschiedliche
Anpassungen des Reformers, um künftig mit allen verfügbaren
Gasvarianten arbeiten zu können.
Der Gasverbrauch des Systems ist zwar nicht geringer als der
Verbrauch konventioneller Anlagen, jedoch erzeugt inhouse5000
in (Mikro) Kraft-Wärme-Kopplung Strom und erspart seinem
Betreiber im Idealfall dadurch zusätzliche Energiekosten. Das
Ziel ist selbstverständlich, einen möglichst hohen Anteil am Eigenenergiebedarf
abzudecken. Der Ausstoß an Emissionen ist
dabei vergleichsweise gering, etwa 25 Prozent geringer als bei
herkömmlichen Anlagen- und auch der Wirkungsgrad liegt höher
als bei der Kraft-Wärme-Kopplung eines motorischen Blockheizkraftwerkes
gleicher Leistung. Dessen elektrische Effizienz liegt
bei etwa 25 Prozent. »Wir schaffen derzeit maximal 30 Prozent und streben bis zu 35 Prozent an«, so Hildebrandt. Da die inhouse
engineering auf Gebäudeleitsysteme spezialisiert ist, hat
ihr System über diese Basisdaten hinaus noch wesentlich mehr
zu bieten. Bestandteil der inhouse5000 ist eine speicherprogrammierte
Steuerung (SPS), durch die das System in die Gebäudeleittechnik
eingebunden werden kann.
Das System verfügt des Weiteren über einen integrierten Webserver.
An WLAN, PC oder PDA angeschlossen,kann der Betreiber
die Anlage überwachen und aus der Ferne bedienen. Diese Netzwerkeinbindung
macht inhouse5000 zum Beispiel für Energieversorger
interessant, die das Hauskraftwerk in ihr gesamtes
Versorgungsnetz integrieren wollen. Es ist vorstellbar, dass
inhouse5000
in einem Verbund von Einzelsystemen vom Energieversorger
gesteuert zu einem stabilen Gesamtnetz beiträgt
und
gegebenenfalls auch die Spitzenlastdeckung anderer Kraftwerke
substituiert.
Der Feldtest ist zugleich ein Demonstrationsprojekt im Rahmen
des »Nationalen Innovationsprogrammes Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie
« (NIP), mit dem die Bundesregierung die
Marktentwicklung aussichtsreicher Projekte gezielt fördert. Laut
Aussage von inhouse engineering gibt es hierzulande kein Brennstoffzellensystem
dieser Leistungsklasse für die Hausenergieversorgung,
das weiter entwickelt und insofern höchst förderungswürdig
ist. Der Zeitplan jedenfalls sieht vor, dass inhouse5000 im
Jahre 2011/2012 seine Marktreife erreichen wird und in Serienfertigung
gehen wird. Dann können die ersten Brennstoffzellen
ihren Dienst in Mehrfamilienhäusern antreten.
Reimund Lepiorz
Folgenreiche Fusion
Die inhouse engineering GmbH wurde im November 2006
als Spin-Off der s&r Schalt und Regeltechnik GmbH gegründet.
Am 31. November 2008 fusionierte sie mit der s&r und
führt nun die Geschäfte ihres Vorgängers fort. Die s&r war
fast 20 Jahre auf dem Markt und hat zahlreiche Gebäudeleitsysteme
für namhafte Unternehmen, Bundesministerien
oder auch Technologieparks installiert. Mit der Brennstoffzellentechnologie
entwickelt sie ihr Kerngeschäft weiter, die
Versorgungs- und Gebäudetechnik. Im Unternehmen hatte
man bereits sehr früh die Möglichkeiten der Brennstoffzelle
erkannt und wollte sie für die Versorgungstechnik nutzbar
machen. Anfang der neunziger Jahre entstand aus dem Geschäftsfeld
der Systemintegration heraus der Gedanke, effiziente
und nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte mithilfe
der Brennstoffzellentechnologie umzusetzen.
Schon damals erkannte das Management der s&r das Potential
der Brennstoffzelle. Jedoch gab es zu diesem Zeitpunkt
keine geeigneten Komponenten auf dem Markt. Nach mehreren
Vorstudien begann s&r somit selbst mit Forschung
und Entwicklung und brachte bald die ersten Brennstoffzellenprototypen
hervor. Im botanischen Garten Chemnitz lief
über Jahre die Präsentation einer aktiven Brennstoffzelle,
dem Vorgängermodell der inhouse5000 mit vier Kilowatt
elektrischer Leistung. Sie wird im Rahmen des Feldtests
durch das neue System inhouse5000 ersetzt und versorgt
den Garten weiter mit Energie.
Seit 1999 besteht ein Entwicklungsnetzwerk, in dem neben
der s&r / inhouse engineering die Universität Magdeburg,
die TU Bergakademie Freiberg und weitere Entwicklungsunternehmen
eingebunden sind. Die Ergebnisse dieser Entwicklungen
laufen zur Fertigung und Montage bei der RBZ
Brennstoffzellentechnik GmbH in Riesa zusammen. Die inhouse
engineering GmbH beschäftigt derzeit 22 Mitarbeiter.
Sie hat die Entwicklung der Brennstoffzelle für die Versorgungstechnik
von Anfang an verfolgt und mit bestimmt. »Mit
unserer Erfahrung können wir die Systeme später optimal in
die Gebäudeleittechnik integrieren«, so der Geschäftsführer
Christoph Hildebrandt.
Originalveröffentlichung :
- Reimund Lepiorz :
innotech
- Die Brennstoffzelle für das Zuhause.
innotech - 01.2009 - Campusmagazin des Innovationspark Wuhlheide
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