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Sächsische Zeitung

Glaubitzer Technik wärmt bald Mieter im Vogtland

Dr. Kathrin Grosser, Geschäftsführerin der Riesaer Brennstoffzellen GmbH, zeigt Wirtschaftsminister Sven Morlok den „inhouse 5 000+“

Erneut kann die Riesaer Brennstoffzellentechnik GmbH ihre Entwicklung verkaufen. Ohne den Freistaat wäre das vielleicht gar nicht möglich.

Nachdem bereits fünf Brennstoffzellenheizgeräte installiert sind, startet die Riesaer Brennstoffzellen GmbH mit Sitz im TGZ Glaubitz nun die zweite Kleinserie ihrer Entwicklung mit erneut insgesamt fünf Anlagen. Und eines der Geräte vom Typ „inhouse 5 000+“ soll sogar schon bis Ende des Jahres in einem Mehrfamilienhaus der Wohnbaugesellschaft Reichenbach im Vogtland in Betrieb gehen.

Das Gebäude wird derzeit saniert, 15 moderne Wohnungen sollen dort entstehen. „Der erste Tag der offenen Baustelle hat gezeigt, wie interessiert die Leute an dieser Energielösung sind“, sagte die Geschäftsführerin des Unternehmens Daniela Raschpichler, „wir freuen uns, damit Vorreiter in Sachsen zu sein.“ Der Einbau der Glaubitzer Technik sei durch eine Vereinbarung mit den Stadtwerken Reichenbach möglich, und auch deren Geschäftsführer Werner Siegert schwärmt regelrecht von der noch recht neuen Technik. „Eigentlich war der Einbau eines Blockheizkraftwerkes geplant, aber der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle hat überzeugt. Die Technologie ist gut, wir können sie über 8 000 Stunden im Jahr nutzen“, sagte der Stadtwerke-Chef. Ziel soll es künftig sein, den „inhouse 5 000+“ Tag und Nacht laufen und damit Strom für die Mieter produzieren zu lassen, nur in Spitzenzeiten wird der dann noch zugekauft. In vier bis fünf Jahren hat sich das Gerät amortisiert, verspricht die Geschäftsführerin der Brennstoffzellen GmbH Dr. Katrin Grosser. Allerdings nur dank zweier Förderprogramme.

Denn da man von einer Massenproduktion noch weit entfernt ist, kostet ein einzelner „inhouse 5 000+“ noch um die 100 000 Euro. Durch das EU-Förderprogramm ene.field wird die Investition jedoch bis zu 50 Prozent gefördert, durch das Programm des Freistaates Sachsen die Restsumme mit noch mal 50 Prozent. „Ich bin ja ein Gegner von jahrelangen Förderungen“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) am Freitag in Glaubitz, aber gerade um innovative Energielösungen wettbewerbsfähig zu machen, seien solche Fördermaßnahmen sinnvoll. Als erstes Bundesland in Deutschland habe man deshalb das Programm „Innovative dezentrale Stromerzeugung und -speicherung“ aufgelegt, dass neue Technologien zur Speicherung von Strom und im Bereich Brennstoffzellen unterstützen soll. Drei Millionen Euro stehen dafür im aktuellen Doppelhaushalt zur Verfügung, jetzt wurde noch einmal auf vier Millionen aufgestockt, weil bereits alle Mittel durch Anträge belegt sind, kündigte Sven Morlok an. Im sächsischen Doppelhaushalt 2015/2016 sollen sogar 4,5 Millionen Euro für das Programm eingeplant werden. Bisher wurde das Fördergeld übrigens nur für neue Lösungen der Energiespeicherung ausgezahlt, im Bereich Brennstoffzellentechnik ist das Reichenbacher Projekt das Erste. Sven Morlok übergab bei seinem Besuch in Glaubitz deshalb persönlich den Förderbescheid über knapp 26 000 Euro an Stadtwerke-Chef Werner Siegert und ließ sich vor Ort das Produkt erklären.

Der „inhouse 5 000+“ besteht aus einem Steuerungsmodul, einem Reformer und der Brennstoffzelle, so Kathrin Grosser. Erdgas und Wasser werden zugeführt und im Reformer zu Wasserstoff umgewandelt. Die Brennstoffzelle wiederum wandelt den Wasserstoff zusammen mit Luftsauerstoff zu Wasser um und erzeugt dabei Strom und Wärme. Seit 1996 schon forscht man in Glaubitz an der Brennstoffzellentechnologie.

Originalveröffentlichung :

Antje Steglich : Sächsische Zeitung